Kurzgeschichte: Letztes Wiedersehen?

Mit schnellen Schritten ging ich barfuß über den heißen Sand. Meine Eltern gingen dicht hinter mir und mein Vater trug unsere Koffer. Wir waren auf dem Weg zum großen Strandhaus meiner Großeltern und mit jedem Schritt stieg meine Angst, dass es dieses Mal wirklich das letzte Mal sein würde, das ich meinen Opa sah! Dass es um ihn nicht gut stand, sah ich meiner Mutter an. Sie lachte schon seit Wochen nicht mehr, seit dem vorletzten Anruf meiner Oma, aber sie wollte nicht sagen, was passiert war.

„Renn doch nicht so“, hörte ich die Stimme meiner Mutter hinter mir, aber ich realisierte es nicht wirklich und war so in Gedanken, dass ich gegen die Tür lief. „Au, verdammt“, nuschelte ich und kurz darauf wurde die Tür von meiner Oma geöffnet. Sie lächelte, aber ich sah die Trauer in ihren Augen. Sie umarmte mich und meine Eltern und ging zur Seite, damit wir rein gehen konnten. Meine Eltern gingen vor und mein Dad brachte unsere Taschen und Koffer in das Zimmer, in dem wir in nächster Zeit wohnen würden.

Oma, Mama und ich gingen ins Wohnzimmer, in dem mein Opa auf seinem üblichen Stuhl saß. Wir gingen zu ihm und er stand auf, um uns zu umarmen. Er stand krumm und war abgemagert, er sah gar nicht gut aus. Tränen traten mir in die Augen und meine Kehle brannte. Langsam ging er zu meiner Mutter und umarmte sie. Danach kam er zu mir und umarmte mich. Er war so dünn und knochig, dass ich Angst hatte, dass ich ihn zerbreche. Tränen liefen meine Wangen runter und hinterließen eine schwarze Spur Wimperntusche.

Ich war wie in Trance, als ich schlagartig von seinem Gewicht runtergedrückt wurde. Sein Atmen war verstummt und seinen Herzschlag spürte ich auch nicht mehr. Meine Eltern und meine Oma bekamen nichts mit, bis ich aufquietschte. Dad lief schnell zu mir und legte meinen Opa auf die Couch. Ich stand unter Schock, konnte nichts sagen und mich nicht bewegen. War er gerade wirklich in meinen Armen gestorben?!

Durch die Sirenen des Krankenwagens wurde ich sehr unsanft aus meinen Gedanken gerissen. Die Sanitäter nahmen ihn mit ins Krankenhaus. Schnell schreckte ich hoch, alles dunkel, hektisch. Ich sah um mich. Ich war in meinem Zimmer…

Sam

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