Summerschool

Die letzten „Sommerschulen“ fanden unweit Split an der kroatischen Küste statt. Garantiert waren afrikanische Hitze und absolute Küstennähe, sprich: Kiesstrand vor dem Haus. Insofern war es durchaus mutig, den Ort des Geschehens zu wechseln und den Termin nach hinten, in die letzte Woche der Sommerferien, zu verlagern. Aber mit Caorle in Italien, nicht weit von Venedig, hatten wir zwar keine Berge im Rücken, aber den Sandstrand voraus, bei angenehmen sommerlichen Temperaturen.
Dieses Schuljahr machte sich eine sehr überschaubare Gruppe, Frau Graf, Herr Baumgartner und Tochter und meine Wenigkeit, und sechs Schüler aus den drei letzten Jahrgängen der Realschule am 5. September vom Hauptbahnhof München auf den Weg über den Brenner nach Italien und kam abends im Feriendorf J. Ferrari der Caritas in der Duna Verde unweit Caorle an. Das Haus, das für weit mehr als 200 Personen Platz hat, hatten wir an dem Abend fast für uns allein. Nur eine Gruppe teilte mit uns das ganze Gelände. So wurden wir in Einzelzimmer, Zwei- oder Dreibettzimmer quartiert und durften an jenem ersten Tag eine vorzügliche italienische Mahlzeit genießen. Zweimal am Tag gab es warme Mahlzeiten, mittags und abends, jeweils mit vier Gängen. Der Magen hatte hier nichts zu wünschen übrig. Das Gelände bot viele Möglichkeiten mit kleinem Streichelzoo, Beachvolleyballfeldern, Fußballfeld, Tischtennisplatten, Kicker und Spielplatz im Außenbereich. Im Haus gab es eine Turnhalle, mehrere Konferenz- oder Gemeinschaftsräume und einen Speisesaal. Für unsere Lernperioden bekamen wir einen kompletten Gemeinschaftsraum gestellt. Tafel und Spinde waren ebenfalls vorhanden. Einzelne Unterrichtsperioden wurden auch durchaus auf der Terrasse abgehalten, wenn das Wetter es zuließ.
Am zweiten Tag wurden am Vormittag die Gruppen zugeteilt, die Lernmaterialien zusammengetragen, die Schwerpunkte gesetzt und die Erwartungen ausgetauscht. An dem Tag gaben wir unseren Schülern dann die Gelegenheit, das Gelände zu erkunden und den Strand zu genießen. Am folgenden Tag begannen wir die Unterrichtseinheiten zu geben, jeweils in Zweiergruppen in rotierender Weise, Deutsch bei Frau Graf, Mathematik bei Herrn Baumgartner, Englisch (und auch Französisch für einen Schüler) bei Herrn Fuhl. Zwei Unterrichtseinheiten fanden direkt nach dem Frühstück, eine direkt nach dem Mittagessen statt. Anschließend hatten alle die Gelegenheit, den Strand zu genießen, oder zum zweiten Haus der Caritas 500 Meter weiter zu gehen, welches ein Freibad und ein Kiosk sein eigen nannte. Einkaufsmöglichkeiten gab es in der 1 km entfernten Ortschaft oder im Campingplatz.
Das Lernen in Kleingruppen war wie Privatnachhilfe. Mit zwei Schülern kann man in einer Unterrichtseinheit intensiv und gleich auch mehrere Themen effektiv behandeln. Freilich ist die Lerneinheit anstrengend, denn in einer Kleingruppe wird das Abwandern der Gedanken zu einer Unmöglichkeit. Aber so soll es auch sein. Den Ausgleich für jede Anstrengung am Schultisch bot der Nachmittag, an welchem die Schüler und die Betreuer meist sich einfach am Strand und im Wasser aufhielten und die Leichtigkeit des Seins genossen. Auch nach dem Abendessen hielten wir uns oft am Strand auf. Mit der Zeit wurde aber auch der Kickertisch zu einem begehrten Treffpunkt. Zwar hatten wir sogar die Möglichkeit, im Sportsaal einen Film an großer Leinwand zu schauen, doch wurde das nie gewünscht. Der Strand und die lauen wolkenfreien Nächte lockten viel mehr und so saßen wir oft abends einfach draußen gemütlich an der Uferpromenade zusammen.

Am Samstag nahmen wir den Bus nach Caorle, ein sehr sehenswerter Ort mit einer schönen Altstadt und einer beeindruckenden Uferpromenade. Wir besuchten den Markt und anschließend gingen wir durch die Fußgängerzone der Altstadt zur Küste. Die Uferpromenade beeindruckte durch zahlreiche Steinmetzskulpturen und durch eine alte Kirche am Ende der Landzunge. Caorle ist wie Venedig eine Lagunenstadt. Zurück aus Caorle hatten wir das große Haus für uns allein. Leider hatte das zweite Haus der Caritas keinen Betrieb mehr. Jedoch bot unser Haus doch genug Möglichkeiten die Zeit angenehm zu vertreiben.
Am Sonntag machten wir uns schließlich recht früh auf zur Heimreise und wurden Zeugen der Flüchtlingsströme, die die Route über Italien nehmen. Das Glück war mit uns: wären wir nur wenig später gereist, wäre unser Zug auf der Strecke auf Grund der Grenzschließungen aufgehalten worden. So kamen wir pünktlich in München an. Unsere Schüler hatten viel gelernt, und waren doch ausgeglichen und keineswegs erschöpft. Es war eine schöne und angenehme Fahrt für uns alle.

Herr Fuhl